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Roder Treffen in Siebenbürgen - 2002

Beim Treffen vor zwei Jahren in Veitshöchheim bei Würzburg hatte der damalige Bürgermeister von Rode, Adolf Hedrich, angeregt, beim nächsten Treffen auch das Dorf Rode und seine Bewohner einzubeziehen. Am 25. - 26. Mai dieses Jahres, nach langen intensiven Vorbereitungen und Planungen, war es dann soweit.

Mit drei Bussen und etlichen Personenkraftwagen reisten über 230 Gäste aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aus Amerika und Kanada nach Rode. Sie wurden von einem knappen Dutzend Roder Landsleute, aber auch von der rumänischen Bevölkerung herzlich und sogar durch Läuten der Heimatglocken willkommen geheißen. Das ganze Treffen verlief sehr freundschaftlich, war von vielen positiven Gefühlen sowie von gegenseitigem Respekt geprägt, frei nach dem Spruch, der einst auf der Nachbarschaftstafel eingraviert war: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern!"

Blick auf den Dorfplatz in Rode an der Kleinen Kokel. Foto: Herbert Liess


Natürlich musste der eine oder andere mit Bedauern feststellen, dass sein ehemaliges Haus nicht mehr so gepflegt aussah, wie er es hinterlassen hatte. Sogar die Mühle - einst der ganze Stolz der Roder - wurde dem Verfall überlassen.

Doch nun zum Ablauf des Treffens. Nach Ankunft der Busse unter Glockengeläut, bei strahlendem Himmel und hochsommerlichen Temperaturen, wurden die Gäste aus dem Ausland vor dem Rathaus nach rumänischer Tradition mit Brot und Salz empfangen, und Bürgermeister Dan Coroiu hieß alle herzlich willkommen. HOG-Vorsitzender Hans-Karl Bell hielt eine Rede in deutscher und rumänischer Sprache. Er rief die ortsansässigen Roder, aber auch die Gäste auf, alles Erdenkliche zu tun, um den Friedhof, die Kirche mit ihren Glocken sowie die gesamte Kirchenburg durch finanzielle Unterstützung so gut wie möglich zu erhalten. Auf dem Dorfplatz meldete sich dann Georg Wurmitzer, ÖVP-Parteivorsitzender des Landes Kärnten, als Vertreter Österreichs zu Wort. Herr Wurmitzer rief alle Roder auf, ihr Rode als Heimatort im Herzen zu bewahren in einem vereinigten Europa, in dem alle Völker näher zueinander rücken müssen. Er bedankte sich bei Herrn Hedrich für die Einladung und die Organisation des Treffens und bei Frau Hedrich für ihr Engagement bei der Koordination der vielen Helfer und Helferinnen und brachte der ganzen Versammlung mit einem Quartett ein Ständchen in Kärntner Mundart. Der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Ioan Lup war der Meinung, dass Rode früher Modellcharakter für die umliegenden Gemeinden hatte und dass alles blühte und gedieh, solange die Sachsen da waren. Er bat des Öfteren um Verzeihung, falls er etwas Verkehrtes sagen würde, und meinte, dass neben der zurückgebliebenen rumänischen Bevölkerung auch die gerodeten Weingärten und die verwahrlosten Obstbäume den Sachsen nachtrauern würden. Als Ersatz für einen fehlenden evangelisch-sächsischen Ortspfarrer sprach sodann Pfarrer Walter Seidner aus Stolzenburg. Er segnete alle Anwesenden, hieß sie in Rode herzlich willkommen und stellte fest, dass sogar seine eigenen Wurzeln in Rode zu finden seien. Abschließend lud Herr Hedrich die Gäste zum Mittagstisch.

Das Mittagessen wurde im Kindergarten eingenommen. Der gesamte Kindergarten, sowohl Gruppenzimmer als auch Schlafräume, wurden provisorisch zu Speisezimmern umfunktioniert. Die Helfer hatten sich größte Mühe gegeben, um ihre Gäste so gut wie möglich zu bewirten. Zu diesem Zweck hatten mehr als zehn Lämmer ihr Leben und 60-70 Hennen ihre Federn lassen müssen. Auf alle Fälle hat es allen wunderbar geschmeckt, während Erinnerungen aus vergangenen Zeiten wach und ausgetauscht wurden. "Weißt du noch?" war vermutlich die am häufigsten gestellte Frage.

Am Nachmittag fand im Kulturhaus der kulturelle Teil seitens der rumänischen Bevölkerung statt: Kindergartengruppe, Folklore-Gruppe der Jugend, Singgruppe sowie eine satirisch-witzige Theatergruppe stellten ihr Können unter Beweis. Vorher wurden Georg Wurmitzer, Hans-Karl Bell und Ovidiu Natia, Landrat des Kreises Mieresch, zu Ehrenbürgern von Rode ernannt. Letzterer setzte sich vehement dafür ein, dass in Neumarkt am Mieresch wieder deutsche Schulklassen eingerichtet wurden.

Nach soviel Programm unternahmen viele Besucher ausgiebige Wanderungen durch das Dorf oder in die Nachbargemeinde Klein-Alisch und fühlten sich wohl in der idyllischen Umgebung, wo leider die besagten Weingärten und Obstplantagen fehlten und stattdessen nur Wiese und Brachland vorherrschten. Sogar der Tanzplatz im nahen Wald war überwachsen.
Am Sonntagmorgen fand zunächst in der rumänisch-orthodoxen Kirche der Gottesdienst statt. Da die Kirche relativ klein ist, wurde sie leider vorwiegend von der rumänischen Bevölkerung und nur von wenigen Gästen aus dem Ausland besucht. Anschließend fand der Gottesdienst in der voll besetzten evangelischen Kirche statt. In seiner Predigt erwähnte der Stadtpfarrer von Bistritz, Johann Dieter Kraus, dass er schon seit 1978 mit der Gemeinde Rode Verbindung habe und zwar dank des ehemaligen Pfarrers von Rode, Rudolf Meltzer. Der ehemalige orthodoxe Pfarrer von Rode, Herr Mosneag, betonte in seiner Ansprache, dass die orthodoxe Gemeinde in Rode ärmer geworden sei, als die Sachsen auswanderten, da sie in der Vergangenheit von den Sachsen nur lernen konnten. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Roder Kirchenchor, außerdem vom Frauenkirchenchor der rumänischen Kirche.

Nach dem Gottesdienst begab man sich in Begleitung der Burzenländer Blaskapelle unter der Leitung von Ernst Fleps zum Friedhof, wo Kränze am Mahnmal des Zweiten Weltkrieges niedergelegt wurden. Bei der Gedächtnisfeier auf dem Friedhof sprach neben Pfarrer Kraus auch Vasile Lupu, ehemaliger Abgeordneter und Vizepräsident des rumänischen Parlamentes und zugleich Vorsitzender der rumänischen Christlichen Volkspartei. Lupu erinnerte in seiner Rede daran, dass auch auf seine Initiative hin ein Gesetzesentwurf vom Parlament gestartet wurde, wonach Ausländer in Rumänien Immobilien erwerben bzw. das Recht auf Rückgabe von Immobilien fordern können. Auch sächsische Kirchengemeinden, deren Grund und Boden von den Kommunisten beschlagnahmt worden war, sollen diesen zurückerhalten können. Die Gedächtnisfeier am Friedhof wurde musikalisch begleitet vom Roder Kirchenchor, von der Burzenländer Blaskapelle und einer Kinderflötengruppe.

Am Nachmittag fanden verschiedene kulturelle Darbietungen statt. Im Hof des Kindergartens, wo zusätzlich ein großes Zelt aufgebaut worden war, spielte zunächst die Burzenländer Blaskapelle, die tags zuvor auch bei den Treffen in Mediasch und Hetzeldorf aufgetreten war. Danach stellte die Volkstanzgruppe "Sonnenblumen" aus Neumarkt am Mieresch ihr Können unter Beweis, in deutscher Tracht und mit deutschen Volkstänzen, während in der Dorfmitte rumänische Folkloregruppen ihren Spaß am Tanzen und Singen hatten. Den ganzen Nachmittag wurde viel gemeinsam gesungen, getanzt und erzählt, bevor man dann am Abend schweren Herzens Abschied voneinander nehmen musste.

Es waren zwei herrliche Tage, da waren sich alle einig. "Das Eis ist gebrochen. Auf dieses Treffen kann man aufbauen", betonte der HOG-Vorsitzende Bell bei seiner Ehrung gesagt. Nach dem Treffen besuchte die Reisegesellschaft noch das Burzenland mit seinen schönen Kirchenburgen sowie Hermannstadt, ehe man sich wieder auf den Heimweg machte.

Die Roder haben mit diesem Treffen bewiesen, dass im großen Haus Europa für alle Platz ist und dass die Völker Europas mit Toleranz und gegenseitigem Respekt die Chance haben zusammenzurücken. Es war ein gelungener Anfang für eine hoffentlich harmonische Zukunft. Anlässlich dieses Treffens wurde auch ein Videofilm gedreht, der unter der Telefonnummer (0 86 38) 8 16 03 nachbestellt werden kann.

Herbert Liess

 

Weitere Berichte:

(Christa Richter) Hermannstädter Zeitung Nr. 1780/31. Mai 2002
Erstes Roder Heimattreffen in Siebenbürgen  

 
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