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Nachruf auf Dekan Georg Wenzel

geb. am 14. Nov. 1924 in Rode –

gest. am 20. Juli 2005 in Weiden / Oberpfalz

Als er im Sommersemester 1949 das erste Mal über die Schwelle meines Zimmers im Studentenheim des Martin-Luther-Bundes trat, begann für mich ein neuer Abschnitt im Kennenlernen meiner Heimat. Georg Wenzel, 1924 in Rode geboren, hatte sich auf eine sehr eigene Weise ins Theologiestudium hereingekämpft. Als ihn das Abkommen zwischen dem rumänischen und dem deutschen Staat 1943 in die Waffen-SS gespült hatte, hatte er nach dem Tode seines Vaters schon ein Jahr lang den Bauernhof geführt. Und als er nach Kriegsende in französische Gefangenschaft geraten war, hielt es ihn da nicht lange. Er rückte aus und verdingte sich als Knecht in ein Tiroler Kloster. Aber dort beließ er es nicht beim Holzhacken. Er begann Latein zu lernen. Er erkundigte sich nach den Bedingungen für ein Theologiestudium, denn er wollte Pfarrer werden, um seinen Rodern zu helfen, die im Herbst 1944 nach langem Treck in Tiroler Lagern ihr Dasein fristeten.

Theologie studieren? Was für eine Schulbildung habe er denn? Nun: Sieben Volksschulklassen. Aber, so unterstrich er, siebenbürgische Volksschulklassen! Kopfwiegen: Bei Begabung und Fleiß könne er die Matura vielleicht in vier Jahren schaffen. Was? Dachte er: Die Städter arbeiten acht Stunden am Tag. Wir Roder Bauern arbeiten von Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang. Also doppelt soviel. Georg Wenzel schaffte die Matura in knapp zwei Jahren. Seine besten Noten hatte er in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Aber wie weiter? In der französischen Besatzungszone Österreichs gab es keine evangelisch-theologische Fakultät. So begann er sein erstes Semester in der katholischen Fakultät von Innsbruck. Für das zweite und dritte Semester erhielt er die Erlaubnis zum Grenzübertritt nach Bayern. In Neuendettelsau schaffte er in diesen zwei Semestern die griechische und hebräische Sprachprüfung. Und dann – es war sein viertes Studiensemester – begegneten wir uns im Erlanger Studentenheim des Martin-Luther-Bundes. Hier waren wir schon sechs siebenbürgische Theologiestudenten. Aber wir alle hatten an den städtischen Gymnasien unserer Heimat das Bakkalaureat abgelegt. Wohl kannten wir alle das Dorf. Aber wir kannten es aus der Perspektive des Städters. Er brachte eine unverstellte Welt der bäuerlichen Gemeinde in unser Heimat- und Kirchenbewußtsein, das unser Wissen und Denken über Kirche und Heimat neu beleuchtete, vertiefte und bereicherte. Für ihn blieb Rode zeitlebens das Zentrum und der Angelpunkt Siebenbürgens.

Daß sein Theologiestudium dem späteren Dienst in der Heimatkirche galt, war für Georg Wenzel selbstverständlich. Und da er von einem schwedischen Stipendium gehört hatte, das Karl XII. für einen siebenbürgischen Theologiestudenten gestiftet haben soll, lernte er schnell auch schwedisch. Mit dem Stipendium Karls XII. klappte es zwar nicht, aber mit einem Stipendium des Ökumenischen Rats schloß Georg Wenzel nach nur drei Semestern in Erlangen sein Studium mit zwei Semestern in Lund ab und meldete sich zum Examen in Bayern.

Es war ein Blitzstudium gewesen. Vom Abschluß der siebenten Volksschulklasse in Rode hatte er zwei Jahre und acht Semester Studium gebraucht, davon zwei in Schweden und eines an der katholisch-theologischen Fakultät von Innsbruck. Über die Vikarsstelle in Aschaffenburg und Pfarrstellen bei Uffenheim (wo in der Nähe siebenbürgische Flüchtlingsgemeinden untergekommen waren) und Nürnberg wurde Georg Wenzel Dekan im weiten Kirchenbezirk von Weiden (Oberpfalz). Schon von den Studienjahren an arbeitete er intensiv mit im Arbeitskreis Junger Siebenbürger Sachsen, im Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und schließlich im Evangelischen Freundeskreis Siebenbürgen, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte. Er wurde überall geschätzt wegen seiner überaus originellen und überzeugenden Weise, die bäuerliche siebenbürgische Grunderfahrung  kirchlichen Lebens in die moderne Welt Nachkriegsdeutschlands zu übersetzen und seine Heimatgebundenheit in ökumenischen Dimensionen zum Ausdruck zu bringen.

Wohl war es ihm nicht gelungen, seiner Heimatkirche direkt zu dienen. Aber er hat über die Zeit seines aktiven Dienstes hinaus, wo immer er konnte, die Sache dieser Heimatkirche vertreten, sich für sie mitverantwortlich gefühlt, sich erfolgreich um Hilfen für sie bemüht. Keinem, der ihm begegnete, blieb verborgen, daß er Siebenbürger Sachse war und daß sein Herz für die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien schlug. Seine Frau, die ihn auch in diesen Bindungen an die Heimat begleitete und bestärkte, und den sieben Kindern mit deren Familien gilt unsere Anteilnahme und unser Dank. Georg Wenzel wurde am 23.Juli unter großer Beteiligung in Weiden begraben.

Paul Philippi

Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien trauert mit der Familie um den treuen Diener des Evangeliums Dekan Georg Wenzel, dessen Glaubensverbundenheit mit seiner Heimat und mit vielen ihrer Brüder und Schwestern unvergessen für alle diejenigen bleiben wird, die ihn gekannt und seinen Einsatz für Siebenbürgen erfahren haben. Gott lasse ihn ruhen in Frieden und das Licht seiner Gnade leuchte ihm!

D. Dr. Christoph Klein, Bischof

 

Erschienen im Ev. Amtsblatt des Landeskonsistoriums Hermannstadt

 

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Traumberuf Tanzlehrer

Martina Bretz

Fürther Nachrichten, 01.Juli 2005

 

25-Jährige macht Ausbilung, die kaum jemand kennt

Martina Bretz hat ihren Traumberuf gefunden: Derzeit ist sie im zweiten Ausbildungsjahr zur ADTV-Tanzlehrerin. Eine Ausbildung, die kaum jemand kennt.

OBERASBACH — Andreas Lassen hat ein Problem. „Wir tun uns jedes Jahr schwer, Nachwuchs zu finden, der zum Tanzlehrer ausgebildet werden möchte“, sagt Lassen, der gemeinsam mit Ute Späth die Tanzschule Forum in Oberasbach leitet. Zum einen sei die Ausbildung kaum bekannt, klagt Lassen. Zum anderen, so glaubt er, nehmen viele Leute den Beruf Tanzlehrer nicht ernst: „Die denken, das macht man so nebenbei.“ Falsch, sagt Lassen. „Es ist ein richtiger Beruf.“

Besonders ärgert ihn deshalb, dass der Ausbildung immer noch die staatliche Anerkennung verweigert wird. Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) mühe sich schon seit Jahren, diesen Status zu erreichen.

Für Martina Bretz ist das kein Grund, sich Sorgen zu machen — staatliche Anerkennung hin oder her. Die 25-Jährige aus Fürth befindet sich im zweiten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung zur Tanzlehrerin in der Schule von Andreas Lassen. Für sie ist es ein Beruf mit Zukunft — und obendrein ihr Traumjob.

Späte Berufung

Zu ihrer Leidenschaft hat sie relativ spät gefunden. Nach der Realschule lernte sie zunächst Bankkauffrau, wurde am Schalter aber nie glücklich. Das hat sich jetzt geändert. Wert legt sie darauf, dass ihre neue Tätigkeit mehr ist, „als Leuten ein paar Schrittfolgen beizubringen. Wir sind Freizeitgestalter, Animateure und Pädagogen“, betont sie. Als Tanzlehrer müsse man auf jeden einzelnen Schüler eingehen können: „Jede Stunde ist anders, weil die Menschen anders sind.“

Martina wurde gleich ins kalte Wasser geworfen. Seit Beginn ihrer Ausbildung gibt die 25-Jährige selbstständig Kurse. „Das ist die beste Methode, um zu lernen“, sagt sie, „man wächst daran“. Manche Unterrichtsmethoden hat sich Martina von ihren Chefs abgeschaut, ansonsten entwickelt sie ihren eigenen Stil.

Das Programm, das sie unterrichtet, ist abwechslungsreich. Die Tanzschule Forum bietet Kurse für alle Altersklassen. Ab drei Jahren kann es bereits losgehen mit Kindertanz, einer Art Bewegungsschule mit Spiel und Spaß. Außerdem gibt es Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene bis hin zum Goldstar und dem „Tanzkreis“ für die ganz Erfahrenen. Wer tanzen will wie Justin Timberlake oder Missy Elliott, der besucht den Kurs „Video-Clip-Dancing“.

Jedes Jahr Prüfungen

Martina arbeitet am liebsten mit Kindern. „Die sind zwar manchmal anstrengend, aber es kommt so viel zurück“, sagt sie. Deshalb lässt sie sich gerade zusätzlich zum „ADTV-Kindertanzlehrer“ ausbilden.

Zusätzlich zu den Kursen, die sie in Oberasbach hält, muss Martina jede Woche zwei Mal für je drei Stunden in den Theorieunterricht. Der Begriff Theorie täuscht allerdings, denn schriftlich wird hier kaum gearbeitet. Gemeinsam mit vier Auszubildenden, die sich allesamt im zweiten Lehrjahr befinden, lernt sie bei ADTV-Ausbilderin Traudl Krebs Schrittfolgen und Figuren. Am Ende jeden Jahres stehen Prüfungen an. Dabei müssen die Azubis unter anderem alleine vortanzen. „Es muss aber so aussehen, als würden wir gerade mit jemanden tanzen“, erklärt Martina. Am Ende gibt es Noten von 1 bis 6 — wie in der Schule.

Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte nicht nur Spaß am Tanzen haben, sondern auch daran, anderen etwas beizubringen. Und ganz wichtig: „Freude am Umgang mit Menschen“, betont Martina. Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Mindestalter von 18 Jahren, körperliche Fitness sowie der Quali. Theoretisch kann sich auch ein Tanzanfänger ausbilden lassen, das sei aber nicht zu empfehlen. Martina hatte bereits vorher alle Kurse bis zum Goldstar absolviert.

Außerdem müsse man sich bewusst sein, dass Tanzlehrer ein Full-Time-Job ist. Neben den einstündigen Kursen, von denen Martina jeden Tag zwischen drei bis sechs hält, muss sie ihren Unterricht vorbereiten, Büroarbeiten erledigen, Besprechungen führen, Bardienst in der Tanzschule übernehmen und häufig am Wochenende arbeiten: „Bei uns ist von Samstagmittag bis nachts Hochbetrieb.“

Trotz allem ist Martina mit ihrer Entscheidung glücklich: „Für mich ist meine Arbeit eigentlich keine Arbeit. Es ist mein Vergnügen.“

JOHANNES ALLES

 

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Sächsisch schreiben, lesen und sprechen

Martin Hedrich

Siebenbürgische Zeitung Online, 15.Juni 2005

Mundartautorentreffen im Haus der Heimat Nürnberg

Neun Mundartautoren trafen sich auf Einladung von Doris Hutter am Vormittag des 10. April im Haus der Heimat Nürnberg zu einem mit Spannung erwarteten Seminar unter der Leitung von Hanni und Michael Markel zum Thema „Praktische Rechtschreibung des Dialekts“. Die Rechtschreibung unserer Mundart liegt diesen Autoren aus zwei Gründen ganz besonders am Herzen: einerseits streben sie das möglichst richtige Schreiben und andererseits die möglichst einfache Lesbarkeit der Texte an – zwei Anliegen, die manchmal unvereinbar sind.

Den Anwesenden lag eine knappe Zusammenstellung der wichtigsten Problemlösungen vor, die im Wesentlichen bereits 1996 beim achten Treffen der Mundartautoren in München behandelt worden waren. Doch die Referenten zogen es diesmal vor, zum Einstieg einen speziell konstruierten Text in die jeweils eigene Mundart übertragen zu lassen. Dessen schrittweise Besprechung bot Gelegenheit, Wortwahl, Ausspracheregeln, Dehnung und Kürzung, Zweifelsfälle der Schreibung durchzugehen und immer wieder auf die Ausrichtung an den Regeln des Hochdeutschen hinzuweisen. Da man etwa die Lautgruppe –chs- deutsch richtig [ks] liest, brauchen wir für Sachs, sachsesch eben keine eigene Schreibung! Oder: Den Apostroph sollten wir uns ebenfalls sparen, wo das Deutsche ohne einen solchen auskommt: änt, iwert (ins, übers). Schwieriger ist es, ohne Dehnungsstriche die mundartlich abweichende Länge/Kürze von Selbstlauten – auch mit Hilfe von Mitlauten – einleuchtend zu kennzeichnen. Dankbar nehmen wir daher die neu geregelte Schreibung von ss/ß auf, wonach letzteres nur nach langem Vokal und Zwielauten zu stehen hat: te ässt, aber: eßen (du isst, essen), Roß, Reßken (Ross, Rosse; Rösschen) usw. Ähnlich setzen wir sätzen (sitzen) von säzen (setzen, pflanzen) voneinander ab. Und schließlich musste auch diesmal die schriftliche Beachtung der gesprochenen Mundart, speziell des (im Südsiebenbürgischen) gesetzmäßigen n-Ausfalls in bestimmten Zusammenhängen eindringlich angemahnt, vor – falscher! - Überkorrektheit gewarnt werden: Härmestadt gegenüber Näpendref (Hermannstadt, Neppendorf); siwe Krueden, aber: siwen Apel (sieben Kröten, sieben Äpfel); ich hu gesähn, aber: ich hun dot (ich habe gesehen, ich habe das); also auch : Hochzet hu mer (kein –n)! Hingewiesen sei noch darauf, dass die Markels den Mundartschreibenden gern telefonisch oder schriftlich Hilfestellung anbieten.

Günther Schuster, der als Redakteur des Mediascher Infoblattes den Versuch wagt, ab und zu das sächsische Beiblatt „Der Medwescher Tramiter“ herauszugeben, wohnte dem Seminar interessiert bei. Er ist ein Beweis dafür, dass auch in den Reihen der mittleren Generation über den Gebrauch unserer Mundart nachgedacht und deren Einsatz zu bestimmten Anliegen befürwortet wird. Mit wertvollen Tipps bestückt und gestärkt durch neue Erkenntnisse gingen alle Beteiligten des Seminars dankbar in die Mittagspause. Das Haus duftete sächsisch nach gefülltem Kraut. Aufmerksam wurden die Gäste des Hauses von der in Fürth lebenden und im Haus der Heimat arbeitenden Annette Folkendt betreut, die in ihrer Kindertanzgruppe zu besonderen Anlässen (Muttertag, Roder Treffen u. a.) gerne auch sächsische Texte vortragen lässt und deshalb auch dem Seminar beigewohnt hatte. Sie steuerte auch den Strom der ersten Gäste, die recht früh kamen, um sich für die öffentliche Lesung einen guten Platz zu sichern, indem sie diesen bis zum Freiwerden des Saals die Besichtigung der Heimatstube der Siebenbürger Sachsen im Haus empfahl.


Mundartautorentreffen im HdH Nürnberg: hinten v. l.: Bruno Lindert, Hans Otto Tittes, Peter Hedwig, Oswald Kessler und Martin Hedrich; Mitte v. l.: Doris Hutter, Hilde Juchum, Johanna Gadelmaier, Richard Sonnleitner und Bernddieter Schobel; vorne von links: Simon Theil, Jürgen Lindert, Andrea Mitru, Anna Gherghel und Christine Mitru. Foto: Georg Hutter
Mundartautorentreffen im HdH Nürnberg: hinten v. l.: Bruno Lindert, Hans Otto Tittes, Peter Hedwig, Oswald Kessler und Martin Hedrich; Mitte v. l.: Doris Hutter, Hilde Juchum, Johanna Gadelmaier, Richard Sonnleitner und Bernddieter Schobel; vorne von links: Simon Theil, Jürgen Lindert, Andrea Mitru, Anna Gherghel und Christine Mitru. Foto: Georg Hutter


Währenddessen erfuhren die Mundartautoren von Vertretern des „Pegnesischen Blumenordens e.V.“ anhand eines kurzen Vortrags, dass es einen Verein mit Sitz in Nürnberg gibt, der sich seit 1644 zum Ziel gesetzt hat, „die deutsche Sprache auf der Grundlage ihres überkommenen Wesens in ihrer Eigenart und ihrer Vielfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln“ sowie „den Reichtum der Dichtung in seinem unverzichtbaren Wert für die Kultur bewusst zu machen“ (siehe auch
www.blumenorden.de). Der Vorsitzende Dr. Werner Kügel, Herr Rabe und Anke Geiger zeigten Interesse an unserer Mundart und besuchten nach gemeinsamem Kaffeetrinken (Cremeschnitten vom sächsischen Bäcker und Hanklich von Martin Hedrichs Frau) mit den Autoren und Referenten auch die öffentliche Lesung, bei der sie angeblich recht viel verstanden. Die auf dem Flur vorbei huschenden Jugendlichen, verkleidet u. a. als sächsischer Bauer, Handwerker oder Zigeuner, gaben einen Vorgeschmack auf ein abwechslungsreiches Programm für die Gäste der öffentlichen Lesung um 15.30 Uhr.

Moderiert von Doris Hutter, die einleitend feststellte, dass die Zielsetzung des Pegnesischen Blumenordens auch unseren Mundartautoren für die sächsische Mundart aus dem Herzen spricht, wobei wir meist Laien sind, die in ganz besonderem Maße auf Unterstützung von Fachleuten angewiesen sind, und somit nochmals Ehepaar Markel dankte, führten die ersten Texte in unsere alte Heimat. Denn ganz natürlich eng verbunden mit unserem Dialekt ist Siebenbürgen: Wenn wir Sächsisch schreiben, haben wir immer noch die Heimat im Herzen, vor Augen oder im Blick, auch wenn einige von uns schon über 30 Jahre in Deutschland leben.

Aus dem Gedichtband Af deser Ierd als Gast derhiem las Hutter „Kold Zegden“ von Pfarrer Wilhelm Meitert, der aus Abtsdorf bei Agnetheln stammt und in Siebenbürgen mehrere Kirchengemeinden betreut. Oswald Kessler aus Kerz lebt in München. Ihn beschäftigt u. a. die Frage, was in der Fremde heimatliche Gefühle in uns weckt. Er antwortete mit dem Text Hiemet än der Fremd. Kessler bemüht sich engagiert, in letzter Zeit auch über das Internet, um den Erhalt und die Verbreitung unserer Mundart auch hier in Deutschland, genau so wie Pfarrer a. D. Bernddieter Schobel aus Crailsheim, der sich bereit erklärt hat, unter der sprachlichen Fachbetreuung der Volkskundlerin Hanni Markel, in der Siebenbürgischen Zeitung eine Rubrik mit siebenbürgisch-sächsischen Texten zu gestalten, um dadurch das Schreiben in Mundart zu fördern und zu begleiten. Mit einem wahren Erlebnis seines Großvaters in Rätsch, „De gäldän Uhr“, führte er das Publikum nach Siebenbürgen in die Zeit vor der Deportation nach Russland.

Die schreckliche Zeit der Deportation wird heuer, 60 Jahre danach, oft aufgegriffen und macht alle, die Zeitzeugen wie auch die folgenden Generationen, betroffen. So wie in der schweren Zeit der Gesang den Gepeinigten ein wenig Trost gab, so führte auch diesmal ein Lied auf bewegende Weise in die schwere Zeit der Deportation: Ich meß ewech (Text: Grete Lienert-Zultner, Satz: Horst Gehann) wurde ansprechend im Duett von Katharina Bota aus Seiden und Georg Hutter aus Diemrich, die zum 1. Mal zusammen auftraten, vorgetragen. Katharina Bota ist geschätzte Sängerin im Singkreis Nürnberg und im Fürther Chor, Georg Hutter Tenor in mehreren einheimischen Chören sowie in der Siebenbürgischen Kantorei. Rose Schmidt aus Schweischer, wohnhaft in Althütte, hat für ihr 1995 erschienenes Buch „Das große Leid“ Deportationsberichte aus dem Lager Petrowka gesammelt. „Niu 60 Giuhren“ offenbart, dass sie das Leid nicht vergessen kann, doch sie ist bereit zu verzeihen und wünscht uns den Frieden. Ebenso Johanna Gadelmaier, die als 17-Jährige deportiert wurde. Sie lebt in Ingolstadt und las Erännerung un Russlond 1945 – 1949. Doris Hutter trug ihren Text über eine 20-jährige deportierte Agnethlerin vor: Kaputt ä Russland schildert Momente des Sich-Aufgebens, des Nicht-mehr-Könnens junger oder schwacher Menschen unter extrem harten Bedingungen. Katharina Thut aus Mardisch hat im Lager Petrowka Gedonken un de Motter (Petrowka 1946) geschrieben und Johanna Leonhardt, Urenkelin des siebenbürgischen Mundartdichters und Komponisten Georg Meyndt und in dem Haus aufgewachsen, welches Ernst Thullner in seinem Lied „Af deser Ierd“ beschrieben haben soll, drückt, früh nach Deutschland ausgesiedelt, im Gebet Himet-verdriwen ihre große Sehnsucht nach Siebenbürgen aus. Fremd zu sein hat eben viele Gesichter und birgt unterschiedliche Probleme. Im Lied „In Russland 1945-1950“ (Grete Lienert-Zultner/ Horst Gehann), gesungen von Bota/ Hutter, wird Gott um Gnade angefleht und die Wiederkehr in die Heimat beschworen.

Die gute alte Zeit! Wie gerne hören auch unsere Jugendlichen Anekdoten aus Siebenbürgen. Recht unkompliziert und originell ist es da oft zugegangen. Anna Gherghel, Bruno Lindert und Simon Theil aus der Theatergruppe „JuThe“ (Leitung Doris Hutter) spielten den Sketsch Bällich Ideen problemlos in Sächsisch. Wir waren in Siebenbürgen Meister der Improvisation und meisterten dadurch auch ein sozialistisches Schicksal! Der Humor ging uns nicht aus. Wie soll man da nicht Heimweh bekommen! Richard Sonnleitner aus Arbegen, wohnhaft in München, las Liew wiuhl, Himwih und als Abschluss, passend zum Nürnberger Wetter No dem Ren äm Guerten.

Die Jugendlichen, darunter auch Christine und Andrea Mitru sowie Jürgen Lindert, spielten noch die Sketsche Än der Apentik und Af dem Feld, wo neben dem sächsischen Bauern z.B. auch der Zigeuner Tschiripik zu Worte kam, und ernteten verdienten Applaus.


Die Lacher auf seiner Seite hatte auch Hans Otto Tittes, der erst seit 2003 in Mundart schreibt und positiv beweist, dass es sich lohnt, es auch als Rentner noch zu versuchen! Er kommt aus Heldsdorf, wohnt in Drabenderhöhe und las Bäumcher setzen – oaf sozialistesch. Peter Hedwig aus Heldsdorf/Erlangen las Det Paket vun äuwen und sprach die Überschwemmungen in Siebenbürgen sowie die dadurch ausgelöste Paketflut aus Deutschland an. Martin Hedrich aus Rode hat als Rentner in Würzburg das Internet lieben gelernt und beteiligt sich rege an dortigen Diskussionsforen. Er hat den Schriftverkehr zu diesem Treffen ausschließlich in Mundart geführt. Der Text, den er vortrug, heißt Der eisera Vaurhaung. Dass die Zeit relativ ist, hat auch Hilde Juchum aus Maldorf festgestellt. Sie lebt zur Zeit bei Neuburg und präsentierte einige aktuelle Nuancen in De Zegt.


So erlebten die Gäste des Hauses der Heimat Leid und Freud, Ernstes und Humor aus Siebenbürgen und aus dem Umfeld der in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen. Ein Treffen in einem Haus gefüllt mit soviel Heimat stimmt froh und gibt Kraft für weitere siebenbürgisch-sächsische Texte. Dank geht an die Förderer der Veranstaltung, nämlich das Haus der Heimat und die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, Kreisgruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen, beide bei der Lesung vertreten durch Horst Göbbel, sowie an die Organisatoren, Mitwirkenden und Helfer. Im Mittelpunkt und Anlass der Veranstaltung waren und bleiben jedoch die Mundartautoren, die durch ihr Wirken unsere Kultur bereichern und auf ihre Art ein Stück siebenbürgisch-sächsische Kultur unters Volk bringen. Ihnen gilt der größte Dank!

Hanni Markel und Doris Hutter

 

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Kulturmedaille der Stadt Traun

für Gertrude Kreischer

Siebenbürgische Zeitung Online, 15.November 2004

Kulturmedaille der Stadt Traun

Nachbarvater Martin Duka und und Nachbarmutter Gertrude Kreischer gewürdigt

Die Kulturmedaille der Stadt Traun wurde am 15. Oktober im Schönbergsaal von Schloss Traun, das zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut wurde, bereits zum 5. Mal an Personen vergeben, die mit hohem persönlichem Einsatz das kulturelle Leben in Traun mitgestaltet haben. Zu den fünf Preisträgern und Preisträgerinnen gehören heuer Nachbarvater Martin Duka und Nachbarmutter Gertrude Kreischer von der Nachbarschaft Traun. Durch den einstündigen Festakt mit rund 60 geladenen Gästen führte die Vizebürgermeisterin und Kulturstadträtin Ursula Adlung, die Laudatio und Verleihung übernahm Bürgermeister Ing. Harald Seidl. Nach der Feierstunde fand ein Empfang für Preisträger und geladene Gäste statt. Der Lokalsender berichtete und interviewte die Ausgezeichneten. Die Kulturmedaille selbst wurde übrigens von einer Siebenbürgerin entworfen, und zwar von Magister Alexandra Wolf, deren Großeltern aus Waltersdorf stammen.

Der in Waltersdorf gebürtige Martin Duka und die aus Rode stammende Gertrude Kreischer haben in ihrer zwölfjährigen Amtszeit im Vorstand der größten oberösterreichischen Nachbarschaft das kulturelle Leben in Traun entscheidend mitgestaltet und mitbestimmt. Bei der Vielzahl an Aktivitäten, bei denen nie auf unseren kulturellen Hintergrund vergessen wurde, sind das Kochbuch „Alltägliches und Spezialitäten aus Siebenbürgen“ sowie die Erneuerung des Museums die augenscheinlichsten Erfolge.

Zwei der erfolgreichsten Veranstaltungen in Traun gehen auf Initiativen der Nachbarschaft zurück, die anfangs belächelt, dann erfolgreich nachgeahmt und ausgebaut wurden und nicht mehr wegzudenken sind: Das „Traun Vinum“, das am 7. Oktober 1995 in bescheidenem Rahmen als „1. Trauner Weinkost“ gestartet wurde, sowie der Adventmarkt im Schloss. Die Idee zum Adventmarkt hatte der weit über die oberösterreichischen Landesgrenzen bekannte „Weinberger Advent“ im gleichnamigen Mühlviertler Schloss geliefert, zu dessen Mitwirkung die Siebenbürger Nachbarschaft und Jugend 1994 eingeladen waren. Im Jahr darauf wurde das Projekt in Traun umgesetzt und Martin Duka von der Stadt mit der Abwicklung betraut. Entgegen aller Widerstände und Schwierigkeiten kamen 1995 bereits mehr als 3 000 Besucher und Besucherinnen, die von der mit viel Aufwand aufgebauten Spinnstube und dem Schauweben am Webstuhl begeistert waren.

Martin Duka und Gertrude Kreischer ernteten mit der Verleihung der Kulturmedaille die Früchte der jahrelangen, oft anstrengenden Arbeit, die beide, wie sie selbst betonen, immer gern und mit großer Hingabe ausgeführt haben. Wir hoffen alle, dass beide auch nach dem Ablauf ihrer letzten Amtsperiode beim Richttag am 6. Jänner 2005 die jüngeren Nachfolger kraft ihres reichen Erfahrungsschatzes weiterhin unterstützen. Der Vorstand der Nachbarschaft Traun freut sich über diese offizielle Auszeichnung für Nachbarvater und Nachbarmutter und gratuliert herzlich.

Irene Kastner

 

 

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Jugendliche filmen auf Schloss Horneck       


Siebenbürgische Zeitung Online, 10. November 2004

Am Ende begeistert von der abenteuerlichen anderen Welt, dem siebenbürgischen Alltag im 20. Jahrhundert, waren 15 Jugendliche, die sich am 26. September im Gundelsheimer Altenheim auf die Suche begaben nach Erinnerungen aus der Schulzeit und dabei einige Bewohner von Schloss Horneck filmten.

Das den Jugendlichen quasi versprochene "Abenteuer Siebenbürgen" basiert auf einem Projekt des Landesverbandes Bayern der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Dieses wird, substanziell gefördert vom Haus des Deutschen Ostens in München, von vier Erwachsenen betreut und von Doris Hutter geleitet. Simon Spielhaupter beteiligt sich mit den Münchnern Simone Girst (15), Heike Spielhaupter (17) und Udo Roth (18) sowie Eckhard Dietrich (21) aus Mindelheim und vertritt mit ihnen zugleich die HOG Reußmarkt. Aus Augsburg stieß Margot Schneider mit ihren Töchtern Romy (14) und Jessica (12) dazu.

Annette Folkendt aus Fürth konnte Jugendliche aus der HOG Rode begeistern, die im Großraum Nürnberg/Fürth wohnen: Lysander (10) und Bettina Homm (12), Richard (12) und Corinna Taub (14) sowie Christina Zilles (15).

Doris Hutter beteiligt sich mit den Ältesten der Theatergruppe "JuThe Nürnberg": Bernhard Adam (15), Andrea Mitru (16), Bruno Lindert (16) und Stefanie Kepp (17).

 

Das Projekt umfasst drei Seminare und selbstständige Arbeit der einzelnen Gruppen dazwischen. Am Ende entsteht ein Film, der sowohl einige Zeitzeugen als auch nachgespielte Szenen oder Spiele aus Siebenbürgen präsentiert. Die Jugendlichen interviewen, filmen, spielen Theater und erfahren Neues, u. a. auch, wie man einen Film macht. Daneben gibt es Unterhaltung und Spaßangebote.
Ein gemeinsamer Besuch im Schulmuseum Kornwestheim am 25. September weckte Neugier und formte den Spürsinn. Irmgard Sedler, die Leiterin des Museums, als Siebenbürger Sächsin genau die richtige Fachfrau für dieses Projekt, verstand es geschickt, von der allgemeinen alten Schule in Baden-Württemberg auf die Besonderheiten der Schule in Siebenbürgen hinzuweisen und interessante Details aufzuzeigen, die bei den folgenden Interviews gerne aufgenommen wurden. Im historischen Klassenzimmer konnten die Jugendlichen u.a. eine Schiefertafel "begreifen" und beschreiben, eine Mausefalle bestaunen und alte Schulbänke ausprobieren, ja sogar in zeitgemäßer Kleidung einige Szenen spielen und filmen. Jessica: "Es macht Spaß, man lernt was draus und erfährt viel, was man nicht gewusst hat!" Einen Besuch in diesem Schulmuseum können wir nur empfehlen!
Nach dem Mittagessen in Gundelsheim ruderten wir auf dem Neckar in Dreier- bzw. Vierer-Kanus zwei Stunden von Bad Wimpfen bis Gundelsheim, ein tolles Erlebnis bei herrlichem Wetter. Danach wurde im "Ferienhof Schäfer" wieder geschuftet: Erst gab Doris Hutter wichtige Tipps zum Filmen und Befragen, dann wurden die Fragen für die Interviews zusammengetragen. Gustav Binder, der Fachberater in Gundelsheim, las abends noch zwei Geschichten aus Bernhard Ohsams Buch "Wölfe und Musik", die über Eigenarten, auch Spitznamen aus Siebenbürgen bis zum kleinen Balthasar, dessen Kopf in einem Nachttopf eingeklemmt war, führten. Zigeunerische Flickkunst auf dem Prüfstand wird in Verbindung mit dem "Potschamperl" urkomisch dargestellt. Bettina später: "Ich war soo müde, ich wäre fast eingeschlafen, aber ich wollte nichts verpassen!"

Sonntag, 9 Uhr, erwarteten sieben Senioren auf Schloss Horneck mit gemischten Gefühlen die Jugendlichen. Zaghaft begrüßten diese Gertrud Fröhlich, Gerda Henning, Ottilie Tausch, Gertrud Theil, Helga Wlassak, Wilhelm Keul und Johann Klammer. Man bildete drei Gruppen und ging auf die Zimmer der Senioren, setzte sich um sie herum und filmte ihre Erzählungen. Schnell entwickelte sich ein vertrautes Oma/Opa-Enkel-Verhältnis, so dass nach drei Stunden beiderseits Lob und Begeisterung zu hören waren. Beim Mittagessen mit den Bewohnern des Altersheimes wurden die Erlebnisse weitererzählt und gute Stimmung verbreitet. Ein Besuch im Siebenbürgischen Museum unter der Führung von Gustav Binder weckte Anerkennung für die Exponate. Man war schon ein wenig bewandert in der Materie, konnte an eben Gehörtes anknüpfen - und plötzlich wurde das, was ausgestellt war, interessanter.
Gerne stellte man sich zum gemeinsamen Foto auf und debattierte angeregt beim Schlussgespräch über die weiteren Schritte. Simone fasst die gemeinsamen Erlebnisse zusammen: "Das Wochenende war echt cool! Wir könnten uns jetzt fast schon als Experten auf dem Gebiet 'Schule früher’ bezeichnen, auch wenn die Menge an Informationen einen ganz schön überrollt hat. Ebenso interessant wie informativ waren die Interviews mit den Zeitzeugen aus dem Altersheim am nächsten Tag. Der anschließende Besuch im Museum rundete das Wochenende gut ab, und so fuhren wir am Nachmittag müde und erschöpft, aber um einiges Wissen reicher wieder nach Hause."

Doris Hutter

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Erstes Roder Heimattreffen in Siebenbürgen

 

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(Christa Richter) Hermannstädter Zeitung Nr. 1780/31. Mai 2002

Wer am vorigen Wochenende in Siebenbürgen etwas erleben wollte, hatte es nicht leicht, sich zu entscheiden. Die Mediascher hatten für ihr erstes Heimattreffen gleich fünf Tage eingeplant und ein reichhaltiges Programm zusammengestellt. In der Nachbarschaft waren es die Hetzeldorfer und ein paar Täler weiter die Roder, die ihre Heimattreffen diesmal in der alten Heimat abhielten. Außerdem lief in Schäßburg ein Klassentreffen in der Bergschule, und in Thalheim neben Hermannstadt weihte die Papageno-Stiftung ein Kinderheim ein. Wohin also? Wir entschieden uns für das abgelegene Rode/Zagar im Zwischenkokelgebiet. Die Gemeinde im Norden von Elisabethstadt/Dumbraveni blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Rode gehörte zu den dreizehn untertänigen Dörfern im Kokelgebiet und war ungarischen Adelsfamilien unterstellt. 1412 erstmals urkundlich erwähnt, gelang es Rode erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den gesamten Grundbesitz aufzukaufen und ein freier Ort zu werden. Durch die abgelegene Lage konnten sich in Rode Tradition und Brauchtum bis ins letzte Jahrhundert bewahren, so eine besonders schöne, altüberlieferte Volkstracht. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges lebten in Rode 1.614 Einwohner, davon waren 74 Prozent Deutsche. Im Herbst 1944 entschlossen sich die Roder, gleich den benachbarten Dörfern, mit dem Treck nach Westen zu fliehen. Heute lebt ein Großteil von ihnen in …sterreich, Deutschland, doch auch in Kanada und in den USA. Denn nur ein Drittel kehrte wieder nach Siebenbürgen zurück. Wie in der Bistritzer Gegend, fanden sie ihre schönen Häuser von Rumänen und Zigeunern besetzt. Trotzdem schafften sie einen Neuanfang. Rudolf Melzer gehört zu den bemerkenswerten Pfarrern der evangelischen Landeskirche in der Nachkriegszeit. †ber drei Jahrzehnte lang wirkte er in dieser Gemeinde und wurde zur Integrationsfigur der Dorfgemeinschaft. Als vor zwei Jahren am Kircheneingang eine Gedenkplakette für ihn angebracht wurde, nannten die Rumänen ihn ãpãrintele nostru Melzer, zur Rührung der anwesenden Sachsen. Wer war Rudolf Melzer? Der Bistritzer Pfarrer Hans Dieter Kraus, damals als Jungpfarrer in Rode im Praktikum, kann sich gut an ihn erinnern und meint, von ihm geprägt worden zu sein. Pfarrer Melzer war nicht nur ein guter Theologe und ausgezeichneter Pfarrer, der seine Predigten gewissenhaft vorbereitete. Er bemühte sich vor allem um ein gutes Zusammenleben der verschiedenen Ethnien in diesem Dorf. Es gelang ihm, Spannungen ab- und Verständnis füreinander aufzubauen. Er lehrte seinen orthodoxen Amtskollegen, die Buchhaltung zu führen, er vermittelte den mitwohnenden Ethnien praktische Kenntnisse in allen Bereichen. Wenn Rode vormals ein echtes sächsisches Dorf mit reicher Tradition gewesen war, galt es nun, sich unter den Rumänen und Zigeunern zu behaupten, was vollends gelang, denn die Roder waren immer schon sehr fleißige und selbstbewußte Bauern gewesen. Das war beim ersten Roder Treffen in der alten Heimat an allen Ecken und Enden zu spüren. Das Dorf war festlich hergerichtet. Der Bürgermeister und der orthodoxe Pfarrer nahmen am Gottesdienst nicht nur teil, sondern beteiligten sich direkt am Geschehen. Der orthodoxe Pfarrer hielt eine kurze Ansprache im Altarraum, und der orthodoxe Kirchenchor sang ein Abschlußlied. Durch die ganze Kirche wehte der Geist Rudolf Melzers. Das bewies auch die rumänische Dorfgemeinschaft, als sie nach der Wende einen sächsischen Bürgermeister wählte. Adolf Hedrich ist ein äußerst aktiver, phantasiereicher Mann, der ständig mit †berraschungen aufwartet. Seine Idee war es, die ausgewanderten Roder aus aller Welt zu einem Heimattreffen in Siebenbürgen zu laden, und er war es auch, der den Zaranisten-Politiker Vasile Lupu eigens zu diesem Fest eingeladen hatte. Vasile Lupu nahm am ganzen Geschehen teil, saß brav im Kirchenchor neben den Roder Persönlichkeiten und hielt auf dem Friedhof eine kurze Ansprache über seinen Einsatz für die Bodenrückgabe, auch an die Siebenbürger Sachsen. Der HOG-Vorsitzende Hans Karl Bell aus Nürnberg hatte es geschafft, die Skepsis der Roder im Ausland abzubauen. Zu viele tragische, wehmütige Erinnerungen bedrückten die Ausgewanderten. Doch der Zusammenhalt ist auch in Deutschland beispielhaft. An die 700 Roder treffen sich alle zwei Jahre beim Roder Treffen, Tradition wird gepflegt, gemeinsame Reisen, sogar nach Kanada, erhalten und verstärken das Gemeinschaftsgefühl. So schaffte es Hans Karl Bell, 230 Mann auf eine zehntägige Rundreise nach Siebenbürgen zu locken. Man besichtigte Wien und Großwardein, danach Neumarkt, Kronstadt mit der Schulerau, Hermannstadt und natürlich Rode. Auf der Rückreise stand auch das rumänische Touristendorf Sibiel im Programm. Man wollte die Heimat so erleben, wie sie jetzt ist und immer schon war: ein Landstrich, wo verschiedene Ethnien gut zusammenleben können, wenn sie es nur wollen. Ganz im Sinne des unvergessenen Rudolf Melzer!

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Heimatortsgemeinschaft RODE e.V. | webmaster@hogrode.de